AuslandseinsatzHolocaust-EducationStudienfahrtenVereinLinks
Verein GEDENKDIENST



Willkommen

GEDENKDIENST ist eine politisch unabhängige, überkonfessionelle Organisation, die sich mit den Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen auseinandersetzt. Seit 1992 entsenden wir Freiwillige in Länder, in denen die Nazis und ihre HelferInnen Verbrechen begingen, oder in denen Überlebende der Mordmaschinerie heute leben.

 

Die Gedenkdienstleistenden betreuen während ihres einjährigen Dienstes Jugendliche, pflegen alte Menschen oder arbeiten in Archiven und Museen. Seit 2016 steht es im Sinne des Freiwilligengesetzes sowohl Frauen als auch Männern gleichberechtigt offen Gedenkdienst zu leisten.

  

 

 


Aktuelles

  • Das GEDENKDIENST Büro bleibt am Mittwoch, 20. Februar 2019 geschlossen 


Statement Verein GEDENKDIENST zur aktuellen Regierung der FPÖ und ÖVP

Der Verein GEDENKDIENST trägt seit 26 Jahren dazu bei, geschichts- und gesellschaftspolitische Aufklärungsarbeit zu leisten, der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik zu gedenken, die nationalsozialistische Vergangenheit, ihre Vorgeschichte und deren Kontinuitäten in der österreichischen Gesellschaft und Politik kritisch zu betrachten und letzteren entgegenzutreten. Demnach beziehen wir aktiv Position gegen Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus, Sexismus und rechtsextremen Gedankengut. Aus diesem Grund sehen wir uns verpflichtet, in folgenden Punkten Kritik an der amtierenden Bundesregierung zu üben.

 

Gegründet von hochrangigen Nationalsozialisten, ist die Freiheitliche Partei Österreichs seit ihrem Bestehen von rassistischen, antisemitischen und deutschnationalen Gedankengut geprägt.[1] Es überrascht nicht, dass sie nahezu wöchentlich durch sogenannte ‚Einzelfälle’ auf sich aufmerksam macht, denn diese sind lediglich Ausdruck der dahinterstehenden Struktur: 17 von 51 Nationalratsabgeordneten sind Burschenschafter, 2 sind Minister und weitere in anderen einflussreichen politischen Funktionen.[2] Jährlich besuchen auch verschiedene ehemalige und aktive FPÖ-Funktionäre die Gedenkveranstaltung an den Nationalsozialisten Walter Nowotny und zeigen damit auf, in welcher erinnerungspolitischen Tradition die Partei steht.[3] Die Grenze zwischen revisionistischem Geschichtsverständnis, rassistischen Aussagen sowie hetzerischen Forderungen gegenüber Ausländerinnen und Ausländern ist fließend. So war beispielsweise am 17. September 2018 auf der offiziellen Facebook-Seite der FPÖ Vöcklamarkt zu lesen: „Schütze Deine Rasse, es ist das Blut Deiner Ahnen!”.[4] Der nächste rassistische Vorfall ließ nicht lange auf sich warten.[5] Auch wenn es immer wieder Entschuldigungen, Rücktritte, Ausschlüsse und Bedauern gibt, bleiben die Ideen und deren VertreterInnen nach wie vor erhalten. So ist auch Udo Landbauer seit 20. September 2018 wieder Abgeordneter zum Landtag von Niederösterreich. Seine Mitgliedschaft und Tätigkeiten in der Burschenschaft Germania zu Niederösterreich sowie deren antisemitischen und rassistischen Liederbücher stören die FPÖ wenig. Doch auch der Regierungspartner sieht keinen Handlungsbedarf – seien die Aussagen und Fehltritte auch noch so dreist, verstörend und inakzeptabel.

Die ÖVP setzt im Rahmen ihrer Regierungsarbeit zwar erinnerungspolitische Maßnahmen, angesichts der tolerierenden Haltung, die sie gegenüber der FPÖ und den diversen ‚Einzelfällen’ einnimmt, erscheint dies jedoch reinen Alibicharakter zu haben. So gingen die Reaktionen der ÖVP auf rassistische, antisemitische und deutschnationale Skandale der FPÖ seit Regierungsantritt nicht über distanzierende Kommentare hinaus. Es wurden keine nennenswerten Konsequenzen gesetzt und das xenophobe Verhalten des Koalitionspartners damit legitimiert. Im Gegenteil betreibt die ÖVP selbst zunehmend diskriminierende Politik und trägt dadurch zu einem Klima der Angst und Ausgrenzung bei.  

Der Verein GEDENKDIENST lehnt vor diesem Hintergrund die Regierungsbeteiligung der FPÖ kategorisch ab und verweigert die gemeinsame Teilnahme an jeglicher Gedenkveranstaltung. Ebenso nehmen wir keinerlei Spenden von der FPÖ, rechten oder rechtsextremen Vereinen, Organisationen und Institutionen an – eine klare Haltung seit 1992. Wir erwehren uns der Versuche uns als gedenkpolitisches ‚Feigenblatt’ instrumentalisieren zu lassen. Wir erinnern daran, dass die Republik Österreich, und damit die gewählten RepräsentantInnen, eine historische Verantwortung tragen, eine aktive und kritische Erinnerungsarbeit zu leisten sowie konsequent gegen Antisemitismus und Rassismus aufzutreten!

Wir solidarisieren uns vor diesem Hintergrund mit jenen Organisationen und Initiativen, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von MigrantInnen sowie Minderheiten und marginalisierten Gruppen in Österreich einsetzen und derzeit von massiven Einsparungen seitens der Regierung betroffen sind somit deren Existenz bedroht ist.

 

Wir wollen uns nicht nur den Problemen des wiederaufkeimenden Antisemitismus, des Rassismus sowie den Resten der nationalsozialistischen Geisteshaltungen in unserer Gesellschaft stellen, sondern uns gemeinsam um Aufklärung bemühen sowie am Aufbau einer offenen und humanistischen Gesellschaft mitwirken.[6]

 

Unter folgendem Link kann das Statement heruntergeladen werden.



[1] Vgl. Margit Reiter, Der große Unbekannte: Anton Reinthaller – NS-Multifunktionär und Gründer der FPÖ, in: GEDENKDIENST 1 (2018), 1–3.

[2] Vgl. Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU), Korporierte FPÖ-PolitikerInnen, Artikelsammlung „Ball & Burschen“, Stand 21.01.2016, unter: https://forschungsgruppefipu.wordpress.com/2016/01/21/korporierte-fpoe-funktionaeremandatare (29.12.2018).

[3] Vgl. FPÖ-Politiker gedenken erneut des NS-Piloten Nowotny, 12.11.2018, unter: https://derstandard.at/2000091156329/FPOe-Politiker-gedenken-erneut-Nowotny-Fliegerpilot-der-Nazis (29.12.2018).

[4] Colette M. Schmidt, Nazi-Posting auf blauer Facebook-Seite, 17.12.2018, unter: https://derstandard.at/2000087515029/Nazi-Posting-auf-blauer-Seite (29.12.2018).

[5] Vgl. Der Standard Redaktion, Nur Einzelfälle? Die lange Liste rechter Ausrutscher, 21.11.2018, unter: https://derstandard.at/2000072943520/einzelfall-ausrutscher-fpoe-oevp-regierung (29.12.2018).

[6] Vgl. Norbert Hinterleitner u.a., GEDENKDIENST: Stellungnahme zur neuen Bundesregierung, in: GEDENKDIENST 1 (2000), 3.

 

 

 

 


Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau 11. bis 14. April 2019

Kein namenloses Grauen, eine Kleinstadt in Polen

 

Nach der Wannsee-Konferenz im Jänner 1942 wurde die ehemals habsburgische Garnisonsstadt Auschwitz zum Zentrum der Vernichtung der westeuropäischen Jüdinnen und Juden bestimmt. Schon seit Juni 1940 waren dort polnische Intellektuelle, WiderstandskämpferInnen und später auch russische Kriegsgefangene zur ‚Vernichtung durch Arbeit’ interniert gewesen. Es war jedoch die Massenvernichtung im Lager Birkenau, die Auschwitz zum Symbol für den Holocaust werden ließ. 

 

Wir möchten uns Auschwitz als konkreten historischen Schauplatz annähern und uns intensiv mit der Geschichte des Ortes und der Menschen, die hier waren, beschäftigen. Darüber hinaus soll die Studienreise genügend Raum für Nachdenken und Diskussion über Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und den Umgang in der Zweiten Republik mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen bieten.

 

Nach Besichtigung der beiden Gedenkstätten in den ehemaligen Konzentrationslagern Auschwitz I – Stammlager und Auschwitz II – Birkenau werden wir - nach Möglichkeit - mit einem/einer Überlebenden des Lagers zusammentreffen. Ein Besuch in Krakau schließt die Reise ab.

 

Ein Informationsabend zur Fahrt findet im Vorfeld statt, der Termin wird bei Anmeldung bekanntgegeben.

 

Preis: ca. 280 Euro pro Person Einzelzimmerzuschlag 15 Euro pauschal (inkludiert sind Anreise, Abreise, Unterkunft, Verpflegung, sämtliche Eintritte, Begleitung und Organisation).   Anmeldung bis 8. März 2019 unter Angabe von Namen, Adresse, Erreichbarkeit, Wunsch nach Einzelzimmer, Zimmer nur mit Frauen und ggf. vegetarischem/veganem Essen unter: office(at)studienfahrten.at.

 

In Kooperation mit den Burgenländischen Volkshochschulen und unterstützt vom Zukunftsfond der Republik Österreich sowie dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres.

 

 

 

 

 

 

 


Update Auswahlseminar und Jahrgang 2019/20

Am vergangenen Freitag hat der Verein GEDENKDIENST eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten, zu der alle Vereinsmitglieder eingeladen waren. Es wurde vor allem über die Frage diskutiert, ob wir unter den derzeitigen prekären Förderbedingungen weiterhin engagierten Menschen einen Gedenkdienst im Ausland ermöglichen sollten. Seit 2016 ist Gedenkdienst ein Freiwilligendienst und somit können Frauen und (nicht-wehrpflichtige) Männer zu gleichen Rechten und Bedingungen diesen von der Republik finanziell geförderten Dienst machen. Auch kann Gedenkdienst weiterhin als Zivilersatzdienst angerechnet werden. Mit dieser Neustrukturierung ging leider auch eine Kürzung der Fördersumme für die Gedenkdienstleistenden einher. Seitdem stehen wir in ständigen Gesprächen und Verhandlungen mit dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK), um eine Verbesserung der prekären finanziellen Lage zu erreichen. Im Herbst 2017 fielen unsere Bemühungen auf fruchtbaren Boden: Das Sozialministerium reichte einen Antrag auf Novellierung des Freiwilligengesetzes im Parlament ein und alle Parteien stimmten der Änderung zu. So wurde u.a. die Fördersumme für alle Auslandsdienste (Gedenk-, Friedens- und Sozialdienst) von 720.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro erhöht. In diesem Frühjahr mussten wir dennoch feststellen, dass das BMASGK zwar nun über mehr Geld verfügt, aber die Fördersumme pro Freiwillige oder Freiwilligen nicht erhöht wird. Somit wird ein klares Zeichen und Bekenntnis zur einer aktiven Gedenk- und Erinnerungsarbeit aller Parteien nicht umgesetzt. Seitdem stehen wir erneut mit dem BMASGK und unterschiedlichen politischen Vertreterinnen und Vertretern in Gesprächen, um die Weitergabe der Fördersumme an die Freiwilligen und somit die Erhöhung der Fördersumme pro Gedenkdienstleistenden zu erhöhen.

 

Die Vereinsmitglieder haben in der Generalversammlung über Pro und Contras der Weiterführung unserer Entsendetätigkeit diskutiert. Trotz der immer schlechter werdenden Umstände haben wir uns als Verein GEDENKDIENST entschieden, unsere Arbeit fortzusetzen.

 

Durch die Nichtweitergabe des erhöhten Fördergeldes an die einzelnen Gedenkdienstleistenden versucht die Regierung das Leisten von Gedenkdienst zu verunmöglichen und will einen Schlussstrich ziehen. Wir treten dem entgegen, kämpfen gegen den Willen der Regierung und um die Verbesserung der finanziellen Lage der Gedenkdienstleistenden. Noch vor Weihnachten wird ein Gespräch mit dem zuständigen im BMASGK stattfinden, wo VertreterInnen des Vereins teilnehmen werden.

 

Wenn Du Interesse an einem Gedenkdienst hast, kannst Du uns Deine Bewerbung (Bewerbungsformular auf der Homepage und einem Motivationsschreiben) per Email bis 17. Dezember 2018 an office@gedenkdienst.at oder per Post zukommen lassen.

 

Das Auswahlseminar wird von 21. bis 23. Dezember 2018 in Kierling stattfinden. Nähere Informationen folgen demnächst.

 

 


Aktuelle Situation des Vereins

Seit 25 Jahren ermöglichen die Trägervereine jungen und engagierten Menschen Gedenkdienst an Holocaust-Gedenkstätten, Forschungszentren, Museen, pädagogischen Institutionen und Altenheimen im Ausland zu leisten. Sie tragen damit zur aktiven Erinnerungskultur und Gedenkpolitik Österreichs bei. Nur dank zahlreicher ehrenamtlich tätigen AktivistInnen können wir dies auf kontinuierlich hohem Niveau umsetzen. Gedenkdienst ist ein politisches Zeichen der Republik Österreich gegen das Vergessen und ein Bekenntnis für das gegenwärtige aktive Erinnern an die Verbrechen des NS-Regimes. Dies wird sowohl von Überlebenden der NS-Vernichtungspolitik als auch von ausländischen Vertreterinnen und Vertretern an den Einsatzorten als starkes gesellschafts- und außenpolitisches Zeichen der Republik Österreich wahrgenommen.

 

Trotzdem wird dieses wichtige Projekt seit vieler Jahren ausgehungert. In den letzten Wochen hat sich die Diskussion weiter zugespitzt. Gemeinsam mit dem Verein Österreichischer Auslandsdienst setzen wir uns für eine Verbesserung der Bedingungen für Gedenkdienst ein. Ansonsten müssen wir die Entsendetätigkeit im Gedenkjahr 2018 aufgrund bürokratischer Hürden und chronischer Unterfinanzierung einstellen.

 

Gemeinsam mit dem Verein Österreichischer Auslandsdienst haben wir alle Probleme und Lösungsvorschläge zusammengefasst: 


https://seafile.gedenkdienst.at/f/ba4477a06eb04dfb81b6/?dl=1

 

 

In der Zwischenzeit gab es nicht nur viele Medienberichte, sondern auch mehrere parlamentarische Anfragen:

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180611_OTS0076/schatz-gedenkdienstleistende-muessen-finanziell-abgesichert-sein

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180613_OTS0173/neos-antrag-auf-weitere-finanzierung-des-gedenkdienstes-im-nationalrat

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180629_OTS0085/zadic-gedenkdienste-eignen-sich-nicht-fuer-pr-aktionen-und-politisches-hickhack

 

Von den Oppositionsparteien wurde außerdem ein gemeinsamer Entschließungsantrag zur Sicherung des Gedenkdiensts eingebracht:

 

https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXVI/A/A_00277/index.shtml

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180613_OTS0173/neos-antrag-auf-weitere-finanzierung-des-gedenkdienstes-im-nationalrat

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180613_OTS0217/zadic-gedenkdienste-muessen-finanziell-abgesichert-werden

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180613_OTS0122/spoe-schatz-fordert-gedenkdienstleistende-finanziell-absichern

 

Seitens der Regierung und des Sozialministeriums wurden nun baldige Gespräche zugesagt und eine rasche Lösung der Probleme beider Trägervereine angekündigt. Wir freuen uns über diese Zusage und hoffen ebenso auf den positiven Ausgang dieser Gespräche.

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180614_OTS0035/fpoe-lasar-beim-thema-gedenkdienst-gibt-es-augenscheinlich-einige-erinnerungsluecken-bei-kern-co

 

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20180629_OTS0201/bm-hartinger-klein-gedenkdienste-leisten-wichtige-arbeit