GENUG IST GENUG!
 
Großdemonstration: Arigona Zogaj und ihre Famile sollen bleiben! Für eine menschenwürdige Asylpolitik!
Wann: DO, 1. Juli 2010, 18: 30 Uhr
Wo: Heldenplatz, Wien
Die Familie Zogaj wurde zum Symbol für das Elend der österreichischen Asyl- und Einwanderungspolitik - und für deren Erbarmungslosigkeit. Mit dem Befehl zur „unverzüglichen Ausreise" krönen das Innenministerium und die Behörden ihr menschenverachtendes Vorgehen in diesem Fall.
Seit Jahren schon wird diese Familie politisch zerstört. Und die Zogajs sind kein Einzelfall. Seit Jahren schon werden viele andere Familien aus ihrem längst vertrauten Umfeld herausgerissen. Kinder dürfen die Schule nicht fertig machen. Fußballer werden vom Training weg in Schubhaft genommen. Familien bei Nacht und Nebel aus den Betten geholt, damit ihre Nachbarn und Nachbarinnen es nicht rechtzeitig bemerken. Wir fragen: Wie daneben ist das denn?
Und wir sagen: Genug ist genug.
Deshalb demonstrieren wir für ein sofortiges humanitäres Bleiberecht für die Familie Zogaj!
Für eine menschenwürdige Asylpolitik und ein humanitäres Fremdenrecht!
Elfriede Jelinek - Robert Palfrader - Stefan Ruzowitzky - Florian Scheuba - Rudolf Scholten - Barbara Coudenhove-Kalergi - Markus Hering - Sigrid Maurer - Freda Meissner-Blau - Robert Menasse - Barbara Blaha - Constantin Wulff - Robert Misik - Isolde Charim - Doron Rabinovici - Franzobel - Karl Merkatz - Michael Köhlmeier - Susanne Scholl - Dwora Stein - Anne Bennent - Otto Lechner - Eva Jantschitsch („Gustav") - Josef Hader - Andrea Maria Dusl - Peter Kreisky - Franz Adrian Wenzel ("Austrofred") - Gertraud Auer Borea d'Olmo - Peter Henisch - Karl-Markus Gauss - Wolfgang Kos - Götz Spielmann - Rudolf Kaske - Philip Blom - Harald Krassnitzer - Peter Hörmanseder - "Maschek" - Michael Schottenberg - Thomas Glavinic - Veronika Barnas - Maria Bill - Josef Weidenholzer - Teresija Stoisits - Caspar Einem - Danielle Spera - Olga Flor - Hanno Loewy - Markus Kupferblum - Mit Unterstützung von SOS Mitmensch
 ZeitzeugInnengespräche an Schulen
 
Seit über 17 Jahren organisiert das London Jewish Cultural Centre ZeitzeugInnengespräche von Holocaustüberlebenden an Schulen, Universitäten und anderen Institutionen, um deren Erlebnisse an jüngere Generationen weiterzugeben. Jährlich hören dadurch – sozusagen aus „erster Hand“ - mehr als 15.000 Jugendliche in England die Berichte der Holocaust-Überlebenden.
Unsere langjährigen Erfahrungen haben gezeigt, wie wichtig für SchülerInnen der Kontakt mit Zeitzeugen ist, nicht nur im Sinne eines fundierten Geschichtsunterrichtes, sondern auch um Antisemitismus und Rassismus vorzubeugen.
Am 16. und 17. Juni 2010 werden vier Holocaustüberlebende, die heute in England leben, an Wiener Schulen Vorträge halten.
Finanziert wird das Projekt vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, sodass für Ihre Schule keine Kosten anfallen werden.
Anmelden können sich die Schulen im Büro des Verein GEDENKDIENST per mail oder Telefon.
 Buchpräsentation: "Transitional Justice"
 
Wann: 24. Juni 2010, 17 Uhr
Wo: Großer Schwurgerichtssaal des Landesgerichts für Strafsachen Wien, Landesgerichtsstr. 11, 1080 Wien
Was: "Transitional Justice: Gerechtigkeit nach Diktatur und Krieg. Das österreichische Kriegsverbrechergesetz vom 26. Juni 1945 und die Ahndung von Menschrechtsverletzungen heute" Hg: Claudia Kuretsidis-Haider; Winfried R. Garscha
Die Frage, wie Gesellschaften mit Verbrechen umgehen, die zur Zeit ihrer Begehung staatlich angeordnet oder geduldet wurden, sowie die Frage, ob es heute noch Sinn macht, Gerichtsprozesse wegen natio- nalsozialistischer Verbrechen zu führen, sind die beiden zentralen The men der im Verlag CLIO erschienenen Publikation der Zentralen ös- terreichischen Forschungsstelle Nachkriegsjustiz.
Zu Buchpräsentation und Vorträgen wird geladen.
http://www.doew.at/aktuell/justiz.html
 Geh Denken!
 
Geh Denken heißt die Veranstaltungsreihe des Vereins Gedenkdienst. Einmal monatlich organisiert GEDENKDIENST eine öffentliche Veranstaltung zu einem vergangenheitspolitischen Thema im Wiener Depot (1070, Breite Gasse 3), zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind.
Es geht uns dabei um eine lebendige Gedächtniskultur jenseits des Schlussstriches: kein sakrales Entrücken des Gedenkens, stattdessen offene Reflexion und Diskussionen kontroverser Themen. Getreu der ursprünglichen Wortbedeutung des griechischen Symposions zusammen trinken gibt es im Anschluss immer die Möglichkeit, sich bei Getränken und ein bisschen Musik weiter auszutauschen.
 Vergangene Termine:
 
 Der Krieg im Volkskörper. Zwangssterilisationen in Wien 1940-1945
 
Wann: 9. Juni, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit Claudia Spring, Historikerin
Einleitende Worte von Monika Löscher, Historikerin
Auf Basis des nationalsozialistischen "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" wurden zwischen 1934 und 1945 schätzungsweise 400.000 Menschen zwangssterilisert, davon mindestens 6.000 in der "Ostmark" und 1.200 in Wien. In ihrem 2009 erschienenen Buch beschreibt Claudia Spring den medizinisch-wissenschaftlichen Kontext dieser Verbrechen sowie deren Institutionen und Akteure. Wie vollzog sich der Übergang von der Sozialpolitik der Zwischenkriegszeit zur NS-Selektionspolitik? Welche Maßnahmen dienten der Verfolgung von als "minderwertig" kategorisierten Menschen und welche Möglichkeiten hatten die betroffenen Frauen und Männer, sich dagegen zur Wehr zu setzen? Der Vortrag beleuchtet dabei nicht nur die NS-Zeit, sondern auch den Umgang mit den Opfern und Tätern in der Zweiten Republik.
Weitere Infos zur Thematik finden sich unter: www.plattform-eugenik.at
 Geschichte und öffentlicher Raum. Die Politik der Wiener Straßenbenennungen
 
Wann: 12. Mai 2010, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit Birgit Nemec, Historikerin
In ganz Wien existieren zahlreiche Initiativen zur Umbenennung von Straßen und Plätzen, von der Arnezhofer Gasse über den Dr.-Karl-Lueger-Ring bis zur Anschlußgasse. So engagiert und scheinbar gut vernetzt die ProponentInnen der Umbenennung auch sein mögen - etwa die Universität Wien - so erfolglos war ihr Unterfangen bisher. Von den politisch Verantwortlichen sind stets dieselben Argumente zu hören: Zu teuer, mit zuviel Aufwand für die AnrainerInnen verbunden und obendrein ob des "denkmalstürmenden Charakters" abzulehnen. War das immer so? Unter welchen Bedingungen erfolgten in den letzten hundert Jahren nach Maßgabe welcher Kriterien tatsächlich Umbenennungen? Und welche gesellschaftlichen und politischen Akzente wurden dabei jeweils eingeschrieben?
 „Eine unerhörte Diskriminierung“? Zu Geschichte und rechtlicher Bedeutung der Habsburger-Gesetze
 
Wann: 14. April 2010, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit mit Ilse Reiter-Zatloukal (Juristin, Institut für Rechtsgeschichte, Universität Wien) und Ronald Faber (Jurist, Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes)
Im Zuge des aktuellen Präsidentschaftswahlkampfes wurde einmal mehr die Frage nach der Zeitmäßigkeit der Habsburger-Gesetze aufgeworfen. Kurzfristig schien über alle Parteigrenzen hinweg Einigkeit über die notwendige Streichung des entsprechenden Passus zu herrschen, doch inzwischen formiert sich Widerstand. Wir möchten uns inmitten des großen Getöses Zeit nehmen, uns in Ruhe mit dem die Habsburger betreffenden Gesetzeskomplex auseinander zu setzen. Fragen nach historischem Kontext und juristischem Gehalt beantworten zwei ausgewiesene ExpertInnen der Materie. Die daraus resultierenden politischen Schlussfolgerungen müssen wir selbst ziehen.
 Die Jüdischnationale Partei in Österreich 1906-1938
 
Wann: 10. März 2010, 19Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion
Dieter J. Hecht, Historiker und Herausgeber
Bei den ersten Wahlen in der Republik im Jahr 1919 erzielte die Jüdischnationale Partei unter ihrem Parteiobmann Robert Stricker ein Mandat im österreichischen Nationalrat und drei Mandate im Wiener Gemeinderat. In den folgenden Jahren entfaltete die Partei enorme Aktivitäten. Im Mittelpunkt jüdischnationaler Politik standen die Forderungen nach Gleichberechtigung der Juden und ihrer Anerkennung als Nation sowie die Schaffung eines Judenstaates in Palästina/Eretz Israel. 90 Jahre danach liegt nun eine Publikation über die Jüdischnationale Partei vor, die erstmals eine Gesamtdarstellung ihrer Geschichte in Österreich bietet. Die Ergebnisse der umfangreichen wissenschaftlichen Forschungen dieses Bandes gehen über konkrete jüdischnationale Politik hinaus und machen einen lange ignorierten Teil jüdischer Lebensentwürfe sichtbar.
 Die Übernahme des Manfred-Weiss-Konzerns und die paradoxe Deutschlandpolitik Salazars
 
Wann: Mittwoch, 14. Oktober 2009, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit António Louçã, Historiker, Lissabon
Um sich vom traditionellen Bündnispartner, dem übermächtigen Großbritannien zu emanzipieren, näherte sich die Salazar-Diktatur ab Mitte der 1930er dem Dritten Reich an. Das letzte Kapitel dieser außenpolitischen Ära bildete die stillschweigende Unterstützung der portugiesischen Behörden, als sich die SS während der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Ungarns den Manfred-Weiss-Konzern aneignete, im Gegenzug aber die Familie der jüdischen EigentümerInnen mit falschen Papieren ins neutrale Portugal ausreisen ließ.
HINWEIS: Der Vortrag findet im Rahmen der Präsentation der aktuellen Ausgabe der „Theresienstädter Studien und Dokumente“ (TSD) durch die Mitherausgeberin Anna Hájková statt. Gedenkdienstleistende arbeiten seit 2003 an diesem Projekt mit.
 Holocausterinnerung in Ungarn - zwischen Tabuisierung, Opferkonkurrenz und Aufarbeitung
 
Wann: Mittwoch, 11. November 2009, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit Regina Fritz, Historikerin, Wien-Budapest
Ungarn muss sich gleich mit drei verschiedenen „rechtsdiktatorischen Vergangenheiten“ auseinandersetzen – mit der autoritär-konservativen Regierung unter Miklós Horthy, den faschistischen Pfeilkreuzlern unter Ferenc Szálasi und mit der Okkupation durch das Dritte Reich. Dies führte seit 1945 zu zahlreichen vergangenheitspolitischen Debatten, wobei die Erinnerung an den Holocaust und das Horthy-Regime nach einer kurzen demokratischen Übergangsphase (1945-1948) durch eine neuerliche Diktaturerfahrung in Form des Kommunismus gebrochen wurde. Die zusätzliche Komplexität, die das Thema Holocaust dadurch erfuhr, schlägt sich heute in der Konkurrenz von Erinnerungen und miteinander verwobenen Täter- und Opferdiskursen nieder.
 NachRichten aus der Vergangenheit?
 
Wann: Mittwoch, 9. Dezember 2009, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit Fritz Hausjell (Kommunikationswissenschafter, wissenschaftlicher Leiter) und Sandra Paweronschitz (Chefredakteurin)
Die Kontroversen um das Projekt NachRichten/Zeitungszeugen Zum Gedenkjahr 2008 startete in Österreich das Projekt NachRichten. Dabei wurden Original-Zeitungen aus der Zeit zwischen 1938 und 1945 nachgedruckt und mit Erläuterungen versehen. Ziel war, den "Nachgeborenen" zu vermitteln, mit welchem publizistischen Umfeld die Menschen im Dritten Reich konfrontiert waren und dieses kritisch zu hinterfragen. In Österreich verlief das Projekt erfolgreich und löste keine größeren Diskussionen aus. 2009 wollte das Herausgeberteam dieses Modell mit der Publikation "Zeitungszeugen" auch in Deutschland umsetzen und sorgte für einen veritablen öffentlichen Skandal. Es folgte eine hitzige Diskussion, ob das Projekt NS-Propaganda verbreite und ob Missbrauchsgefahr bestehe.
 „Warum werden wir heute geschliffen?“ - Die NAPOLAS in Österreich 1938-45
 
Wann: Mittwoch, 13. Jänner 2010, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit Sebastian Pumberger, Historiker und Journalist, Wien
Wie im Deutschen Reich ab 1933 wurden in Österreich zwischen 1938 und 1945 Nationalpolitische Erziehungsanstalten (Napolas) errichtet. Drill, vormilitärische Übungen und ein straffer Anstaltsalltag kennzeichneten diese „Ausleseschulen“, deren Einrichtung eng verknüpft war mit der antiklerikalen NS-Politik, die schließlich Kirche und Orden aus dem Bildungswesen, zum Teil auch aus den Klöstern verdrängte. Insgesamt wurden in Österreich neun Napolas errichtet, in denen im Jahr 1942 etwa 1200 SchülerInnen erzogen wurden. Zu den Zöglingen gehörten mehrere Prominente der Zweiten Republik.
 Der Staat im Bett: Kontrolle von Sexualität und Fruchtbarkeit im Nationalsozialismus. Vorgeschichte, Praxis, Folgen
 
Wann: Mittwoch, 10. Juni 2009, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit Christian Fiala und Susanne Krejsa vom Museum
Die Bevölkerungspolitik des Dritten Reiches war auf eine „rassische Aufwertung des Volkskörpers“ angelegt: Etwa ein Viertel der ReichsbürgerInnen galt den NS-Machthabern als „minderwertig“ und sollte sich möglichst nicht fortpflanzen. Die als wertvolles Menschenmaterial Klassifizierten wurden dagegen durch eine Reihe von Vergünstigungen, aber auch durch die strenge Ahndung von Verhütung und Schwangerschaftsabbrüchen dazu angehalten, die germanische Kopfzahl zu erhöhen. Der Vortrag behandelt den gesellschaftlichen, historischen und medizinischen Kontext dieser Politik ebenso wie ihre Langzeitfolgen.für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch.
HINWEIS: Als Follow-Up zur Diskussion findet am Mittwoch, dem 17. Juni eine Führung durch das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch statt. Nähere Informationen und Anmeldung unter office@Gedenkdienst.at oder unter 01-581 04 90.
 Weiter leben. Der Holocaust und die Israelische Gesellschaft
 
Wann: Mittwoch, 13. Mai 2009, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Leider muss die Veranstaltung verschoben werden. Wir werden sie im Herbst nachholen.
Vortrag und Diskussion mit Doron Rabinovici (Autor und Historiker)
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, bis weit hinein in die 1950er Jahre war die Geschichte des NS-Massenmordes in Israel öffentlich kaum Thema. Auch die Gründung der nationalen Gedenkstätte Yad Vashem 1953 änderte daran zunächst wenig, fokussierte sie zunächst doch vor allem auf den Aspekt des Widerstandes und weniger auf den Genozid als solchen. Wandlungen und Brüche in der Erinnerung waren in den folgenden Jahrzehnten untrennbar verknüpft mit aktuellen Ereignissen.
 Annäherungen an das Unfassbare
 
Das Vermittlungskonzept der Gedenkstätte Mauthausen
Wann: Mittwoch, 11. März 2009, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Vortrag und Diskussion mit Yariv Lapid (KZ-Gedenkstätte Mauthausen)
Hunderte Schulklassen besuchen jährlich die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Über die Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens gibt es geteilte Meinungen, da Gedenkstätten keine „antifaschistischen Durchlauferhitzer“ (Günther Morsch) sind, keine „Besserungsanstalt“, deren Besuch automatisch Empathie für den Holocaust garantiert. Für eine sinnvolle und angemessene Auseinandersetzung mit der Thematik an Gedenkstätten bedarf es schlüssiger und abgestimmter Vermittlungskonzepte, die in Mauthausen bislang fehlten.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Geschichte der Gedenkstätte und den Herausforderungen der Erarbeitung eines umfassenden Vermittlungskonzeptes.
Yariv Lapid ist Historiker und Leiter der Vermittlung an der Gedenkstätte Mauthausen.
 Ikone der Rechten: Das Phänomen HC Strache
 
Wann: Mittwoch, 08. April 2009, 19:30 Uhr
Wo: Café 7*Stern, Siebensterngasse 31, 1070 Wien
Buchvorstellung und Diskussion mit Nina Horaczek und Claudia Reiterer
Bei den letzten Nationalratswahlen hat die FPÖ mit einer aggressiv-kulturkämpferischen Linie, kombiniert mit Sozialthemen knapp 20 Prozent der österreichischen WählerInnen für sich gewonnen. Die Journalistinnen Nina Horaczek und Daniela Reiterer haben in ihrem neuen Buch "HC Strache. Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde" (Ueberreuter) Hintergründe dieses Wahlsieges beleuchtet und sich auf die Suche nach dem Kontext des FP-Frontmannes HC Strache gemacht: Wie wurde er sozialisiert, an wem orientiert(e) er sich inhaltlich, wie reorganisierte sich die FPÖ nach der Abspaltung des BZÖs und wie wirkt sich der Tod seines Mentors und schärfsten Konkurrenten Jörg Haider auf das Dritte Lager aus?
 1938. Auftakt der Shoah in Österreich. Orte – Bilder – Erinnerungen
 
Vortrag und Diskussion mit Dieter J. Hecht
Wann: Mittwoch, 14. Januar 2009, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Der Vortrag basiert auf dem Projekt „1938. Auftakt der Shoah in Österreich. Orte – Bilder- Erinnerungen“, welches die Erfahrungen der jüdischen ÖsterreicherInnen vom „Anschluss“ im März bis zum Ende des Jahre 1938 nachzeichnet.
Der „Anschluss“ Österreichs im März 1938 hatte eine Radikalisierung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik gegen die jüdische Bevölkerung im gesamten Deutschen Reich zur Folge. Auf die Misshandlungen und Demütigungsrituale sowie die Plünderungen und die Verhaftungen des „Anschluss“-Pogroms folgten die rasche wirtschaftliche, berufliche und gesellschaftliche Ausgrenzung durch „Arisierungen“, Berufsverbote, die Einschränkung der Bildungsmöglichkeiten und unzählige behördlich verordnete Beschränkungen. Das Novemberpogrom bildete den vorläufigen Höhepunkt der NS-Verfolgungspolitik. Das Projekt wählt bewusst die Perspektive der jüdischen Verfolgten. Nach 1945 fand die Erinnerung an die mehr als 65.000 österreichischen Opfer der Shoah lange Zeit kaum Eingang in das österreichische Geschichtsbewusstsein: Denn die Zweite Republik stellte sich selbst als „erstes Opfer“ des Nationalsozialismus dar. Den Jüdinnen und Juden, die durch das NS-Regime verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, eine Stimme zu geben, dem Gedächtnis an die Opfer der Shoah im Gedenkjahr 2008 Präsenz zu verleihen, ist ein Ziel dieses Projektes.
Dieter J. Hecht, Historiker und Mitarbeiter der Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
 „Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“ – Denunziation im Nationalsozialismus
 
Vortrag und Diskussion mit Heimo Halbrainer
Wann: Mittwoch, 10. Dezember 2008, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Der Vortrag geht neben der Beschäftigung mit den Denunzianten und ihren Motiven sowie den Auswirkungen der Denunziation der Frage nach, was nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft mit den Denunzianten geschah.
„Der größte Lump im ganzen Land ist und bleibt der Denunziant“ – das wusste schon Hoffmann von Fallersleben, als er diesen Satz Mitte des 19. Jahrhunderts niederschrieb. Seit damals hat sich der üble Beigeschmack, der dem Denunzianten anhaftet, nicht geändert. Selbst zur Zeit des Nationalsozialismus galt die Denunziation – ein in allen politischen Systemen auftretendes Alltagsverhalten, das zumeist von privaten Motiven dominiert wird – als unehrenhaft. Dennoch war sie ein wichtiger Bestandteil der nationalsozialistischen Herrschaft. Erst durch Denunzianten konnte ein Großteil des abweichenden Verhaltens der Bevölkerung verfolgt werden. Obwohl viele der vorgeblich aus „Pflichtbewusstsein“ heraus erstatteten Anzeigen verwerfliche Motive hatten, war das nationalsozialistische System auf Anzeigen aus der Bevölkerung angewiesen, um das Private öffentlich zu machen.
Heimo Halbrainer, Historiker und Leiter von CLIO Graz – Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit
 Das Novemberpogrom 1938 in Zeugenberichten von Überlebenden des Holocaust
 
Vortrag und Diskussion mit Veronika Zangl
Wann: Mittwoch, 12. November 2008, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Der Vortrag widmet sich der Frage, in welcher Weise und ab wann die Novemberpogrome in Zeugenberichten von Überlebenden des Holocaust erzählt werden und ab wann den Novemberpogromen auch im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit zukommt.
Obwohl die so genannte Kristallnacht in Geschichtswerken zur Vernichtung der europäischen Juden und Jüdinnen einen fixen Platz einnimmt, wird sie zumeist als eine Art „Vorspiel“ der Vernichtung interpretiert. In diesem Sinne mag es nicht verwundern, dass etwa in Zeugenberichten von deutschen EmigrantInnen in die Niederlande, die vom NIOD (Niederländisches Institut für Kriegsdokumentation) in den Jahren 1945 bis etwa 1950 protokolliert wurden, zwar hin und wieder die Flucht aus Deutschland mit 1938 angeführt wird, allerdings wird nur in einem einzigen Bericht die Kristallnacht erwähnt. In frühen Publikationen von Überlebenden des Holocaust beginnt der Bericht zumeist unmittelbar mit der Deportation und endet mit der Befreiung. Erst ab den 1960er-Jahren weichen Zeugenberichte von dieser Struktur ab, wodurch auch die Zeit der Verfolgung Raum erhält.
Veronika Zangl, Studium der Deutschen Philologie und Theaterwissenschaft in Wien. 2004 Dissertation „Poetik nach dem Holocaust“. Seit 2005/06 Forschungen zu frühen Zeugenberichten des Holocaust am Netherlands Institute for War Documentation. Seit 2006 Lehrbeauftragte am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie am Institut für Germanistik der Universität Wien.
 Gedenken 2008: ein Rück- und Ausblick
 
Podiumsgespräch mit Heidemarie Uhl
Gesprächsleitung: Susanne Üblackner (Verein GEDENKDIENST)
Wann: Montag, 6. Oktober 2008, 19 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Das Gedenkjahr 2008 neigt sich dem Ende zu: Im Gespräch mit der Zeithistorikerin Heidemarie Uhl von der Akademie der Wissenschaften wird das Gedenkjahr nochmals nachgezeichnet und die zentrale Frage gestellt: Welchen nachhaltigen Einfluss wird das Jahr 2008 auf die Österreichische Gesellschaft nehmen?
Die Gedenkfeiern gingen im März und April mehr oder weniger routiniert über die Bühne. 70 Jahre "Anschluss" Österreichs an Hitlerdeutschland wurden ebenso durch offizielle Veranstaltungen erinnert wie 75 Jahre Parlamentsausschaltung durch Dollfuß. Wie das Gedenkjahr 1988 im Schatten der Affäre Waldheim bewies, verrät der Umgang mit Geschichte nicht nur viel über die Vergangenheit, sondern auch einiges über die Gegenwart. Mit welchen Geschichtsbildern operieren die vergangenheitspolitischen AkteurInnen? Welche Strategien in der Interpretation von Geschichte verfolgen sie? Und welche Zukunft, welche Gesellschaftsmodelle versuchen sie über diesen Rückgriff auf die Vergangenheit zu gestalten?
Heidemarie Uhl, Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Graz. Historikerin an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für Kulturwissenschaften)
 Letzte Chance? Zum Umgang der österreichischen Justiz mit NS-KriegsverbrecherInnen
 
Podiumsgespräch mit Dr. Oliver Scheiber (Justizministerium) und Dr. Winfried Garscha (DÖW/Forschungsstelle Nachkriegsjustiz). Moderation: Florian Wenninger (Verein GEDENKDIENST)
Wann: Mittwoch, 11. Juni 2008, 18.30 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
2007 setzt das Justizministerium Prämien für Hinweise auf den verbleib mehrer NS-TäterInnen aus. Sofern sie noch leben, sind diese heute weit jenseits der 90 Jahre alt. Wie erklärt sich dieser Wandel im Verhalten der österreichischen Justiz?
Welche Strategien der Auseinandersetzung verfolgt sie? Welche Sinnhaftigkeit steckt dahinter, alte Menschen mit ihrer Vergangenheit zu konfrontieren? Und welche Schlüsse kann die österreichische Gesellschaft aus der Befassung mit ihrer Täterrolle ziehen?
Dr. Oliver Scheiber ist Ministersekretär für Strafrecht, Menschenrechte und Fortbildung. Dr. Winfried Garscha arbeitet im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und ist wissenschaftlicher Ko-Leiter der Zentrale österreichische Forschungsstelle Nachkriegsjustiz.
 Marzabotto: Ein Massaker im italienischen Gedächtnis.
 
Vortrag und Diskussion mit Marzia Gigli
Wann: Mittwoch, 12. März 2008 - 18:30 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Spätestens seit dem Reder-Handschlag 1985 ist Marzabotto in Österreich ein Begriff: Am 1. Oktober 1944 richtet dort die SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ ein Massaker unter der örtlichen Bevölkerung an und tötet hunderte Menschen, darunter einen Großteil Kinder. Von 2006 bis 2007 werden zehn ehemalige deutsche und österreichische Soldaten zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Ein symbolischer Akt, denn sie werden nicht ausgeliefert...
Marzia Gigli berichtet zur Verortung Marzabottos im italienischen Gedächtnis. Sie forscht zu Vergangenheitspolitik und Konstruktion öffentlicher Erinnerung in der Region. In ihrem Vortrag beschäftigt sie sich mit den widerstrebenden Effekten auf das private Gedächtnis, den Konflikten zwischen individueller und öffentlicher Erinnerung, dem Widerspruch zwischen dem Wunsch, um die Opfer privat zu trauern und dem Bedürfnis, die Opfer des Massakers in eine nationale Form der Gedenkkultur überzuführen.
Marzia Gigli ist Historikerin und Leiterin der Abteilung für historische Bildung der Peace School in Monte Sole (Marzabotto). www.montesole.org
 (K)ein Bild? Das Image Österreichs in Israel
 
Vortrag und Diskussion mit Michal Levertov
Wann: Mittwoch, 9. April 2008 - 19:00 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
„Die Deutschen waren exzellente Nazis, aber schlechte Antisemiten. Die Österreicher waren schlechte Nazis, aber exzellente Antisemiten“ (ein österreichischer Überlebender des Holocaust in einem Interview mit der Londoner Times“)
In einem Land, auf dem der Schatten des Holocaust liegt, beurteilen die meisten Israelis andere Nationen zumeist über deren Verhalten während des Zweiten Weltkriegs. Eine interessante Ausnahme ist Österreich. Die israelische Haltung zu Österreich liegt irgendwo zwischen Nichtbeachtung und leichter Abneigung – der Name Waldheims fällt des öfteren oder man besinnt sich der zuckersüßen Erinnerung namens „The Sound of Music“. Nicht einmal annähernd ist das Bild Österreichs in Israel so emotional besetzt wie der Blick auf Deutschland.
Aber warum? Wie kann ein Land, das einst eine so wichtige Rolle in der jüdischen Geschichte spielte, das Heimat berühmter jüdischer KünstlerInnen, DenkerInnen und Visionäre war und einen tiefgreifenden Einfluss auf den Zionismus nahm, im heutigen Israel beinahe ignoriert werden?
Diesen Fragen widmet sich Michal Levertov. Sie ist Medienberaterin sowie Journalistin in Israel. Sie schrieb für Haaretz und war Kolumnistin für die Website des Time Magazine. Derzeit arbeitet sie als Kolumnistin und Autorin für das British Jewish Chronicle und lebt in Tel Aviv.
 Warum normale Menschen morden. Täter und Täterinnen im Nationalsozialismus
 
Vortrag und Diskussion mit Michaela Christ
Wann: Mittwoch, 14. Mai 2008 - 19:00 Uhr
Wo: Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien
Millionen Menschen wurden während des Nationalsozialismus ermordet. Inzwischen geht man in der TäterInnenforschung davon aus, dass die TäterInnen im Nationalsozialismus weitgehend freiwillig töteten. Wenn diese Männer und Frauen weder durchweg radikale Antisemiten noch krankhafte Sadistinnen waren, wenn sich kein Befehlsnotstand feststellen lässt, also bei einer Weigerung sich am Morden zu beteiligen, keine Gefahr für eigenes Leib und Leben bestanden hat, wenn diese Männer und Frauen „ganz normal“ waren, warum haben sie dann jüdische Männer, Frauen und Kinder und andere Unliebsame getötet? Warum haben sie sich, ohne für uns heute nachvollziehbare Not, für die Gewalt, für das Morden entschieden?
Die Soziologin Michaela Christ geht diesen Fragen anhand von ZeitzeugInnenberichten überlebender Opfer und Selbstzeugnissen der TäterInnen nach und gibt Einblick in die aktuelle Diskussion über die unterschiedlichen Handlungsmotivationen der TäterInnen.
Michaela Christ promoviert am Essener Institut for Interdisciplinary Memory Research/ Kulturwissenschaftliches Institut über den Holocaust in der Ukraine und hat an Harald Welzers Studie „Täter. Wie aus ganz normalen Männern Massenmörder werden“ mitgearbeitet. (www.kwi-nrw.de)

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